REZENSION
Der Himmel auf Erden

Uraufführung des Musicals „Touch the sky“

GROSSRÄSCHEN. Wenn Menschen Glücksmomente erleben, dann erleben sie den „Himmel auf Erden“. Am Sonnabend vor dem 1. Advent gab es solch einen Glücksmoment bei der Uraufführung des Multimedia-Musicals „Touch the sky – König David“ in Großräschen. Der Himmel auf Erden war aber nicht nur in der ausgezeichneten Darbietung der Akteure im Saal der Freikirchlichen Gemeinde vorhanden, sondern erreichte gerade auch durch den Inhalt die Hörer. „Touch the sky!“ Man konnte den Himmel innerlich spüren!

Auf vielen Ebenen wurde den Besuchern ein überaus eindrucksvolles Konzert geboten. Texte und Musik, verstärkt durch Bilder aus der Originalvorlage von Udo Zimmermann, Lesungen, die den Hörer fesselten, Chor und Solisten – alles Laien, aber mit einer Professionalität, die ins Erstaunen versetzte.

Erzählt wurde die Geschichte vom König David. Sein Leben mit Höhen und Tiefen spielte sich vor dem Zuschauer ab. Aber auch hier griffen die verschiedenen Ebenen ineinander. Sehr schnell merkte jeder Besucher: Da wird mein Leben erzählt. Eine uralte Geschichte wurde transparent für die Gegenwart. Zwei Beispiele mögen das verdeutlichen. Als David total verzweifelt ist beim Verlust seines engesten Freundes, fragt nicht er, sondern der klagende Mensch heute: „Wo ist Gott?“ Und die Antwort singt seine Freundin ihm zu in einem Gebet: „Tröste, tröste ihn mein Gott!“ Starke Hände tragen ein junges Lebewesen. Diese Bilder dazu gezeigt geben Trost „Dennoch bleibe ich stets an dir!"

Und die zweite Begebenheit, die unter die Haut ging: Der Prophet Nathan sagt dem König sein Versagen und seine Schuld auf den Kopf zu: „Du bist der Mann!“ Wo gibt es Menschen, die es wagen, den Mächtigen den Spiegel der Wahrheit ungeschminkt vorzuhalten? Und wo sind Politiker und Staatsmänner, die ihr Versagen eingestehen und Buße tun? Es war unsere Zeit, die da gespielt, gesungen und dargestellt wurde.

Der große Gemeindesaal war überfüllt. Der Beifall nahm kein Ende, Standingovations für die herausragende Leistung aller Beteiligten. Stellvertretend für alle Akteure sollen hier nur der Organisator und Leiter des Musicals Torsten Zozmann und für die Solisten Gabi Baranius genannt werden.

Auch dem Chor, der anderthalb Stunden ohne Pause in Aktion war, kann man nur ein ganz großes Lob für seine Disziplin und seine musikalische Qualität aussprechen. Mitglieder der Landeskirchlichen Gemeinschaft standen neben Konfessionslosen und Baptisten. Sie alle waren aber überzeugt von diesem Werk und seiner Aussage und konnten daher den Besucher überzeugen.

Hans-Udo Vogler, Lausitzer Rundschau, 01.12.2003